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Bank of America stimmt 72,5-Millionen-Dollar-Vergleich im Epstein-Fall zu - Richter muss noch entscheiden

Bank of America will 72,5 Millionen Dollar zahlen, um eine Sammelklage mutmaßlicher Epstein-Opfer beizulegen. Die Bank bestreitet weiter ein Fehlverhalten, während ein Bundesrichter in New York noch zustimmen muss.

VonRedaktion
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A customer uses an ATM at a Bank of America branch in Boston in a Reuters file photo
A customer uses an ATM at a Bank of America branch in Boston in a Reuters file photo

Bank of America will 72,5 Millionen Dollar zahlen, um eine Sammelklage von Frauen beizulegen, die der Bank vorwerfen, Jeffrey Epsteins Sexhandels-Netzwerk durch ihre Dienstleistungen mit ermöglicht zu haben. Damit gerät nach JPMorgan und Deutsche Bank ein weiteres großes Institut in die teure Schlussphase der juristischen Aufarbeitung rund um Epstein.

Der Vergleich wurde am Freitag in Gerichtsunterlagen offengelegt und braucht noch die Zustimmung von US-Bezirksrichter Jed Rakoff in Manhattan. Ohne eine Einigung hätte dem Institut ein längerer Prozess gedroht, in dem öffentlich verhandelt worden wäre, ob die Bank Warnsignale über Jahre hinweg übersehen oder ignoriert hat, obwohl die Geschäftsbeziehung Erträge brachte.

Im Zentrum der Klage steht eine Frau, die unter dem Pseudonym Jane Doe auftritt und den Fall im Oktober im Namen ihrer selbst und weiterer mutmaßlicher Betroffener eingereicht hatte. Nach den übereinstimmenden Berichten lernte sie Epstein 2011 in Russland kennen, wurde danach in seine Abhängigkeit gezogen und nutzte auf Anweisung seines Umfelds Bankkonten bei Bank of America. Sie sagt, der Missbrauch habe bis zu Epsteins Tod im Jahr 2019 angedauert. CNBC berichtete zudem, die vorgeschlagene Vergleichsklasse umfasse Frauen, die zwischen dem 30. Juni 2008 und dem 6. Juli 2019 von Epstein oder mit seinem Netzwerk verbundenen Personen sexuell missbraucht oder gehandelt worden seien; den Anwälten seien mindestens 60 mögliche Anspruchstellerinnen bekannt.Bank of America to pay out $72.5m over Epstein lawsuitbbc.com·SecondaryBank of America has reached a $72.5m (£54.6m) settlement in a lawsuit brought on behalf of victims of Jeffrey Epstein, who had accused the bank of facilitating his sex trafficking operation. The proposed class-action lawsuit was filed in October by a Florida woman who says she was abused by Epstein "on at least 100 occasions" between 2011 and 2019 and held two accounts at Bank of America at the direction of his business team.

Rechtlich ging es nicht darum, der Bank Epsteins Taten selbst zuzuschreiben. Der Vorwurf lautete vielmehr, sie habe von dem Netzwerk wissentlich profitiert und es praktisch gestützt, weil sie verdächtige Transaktionen und andere rote Flaggen nicht mit der gebotenen Schärfe behandelt habe. Reuters berichtete, dass Rakoff im Januar zentrale Ansprüche gegen die Bank bestehen ließ, darunter den Vorwurf, sie habe wissentlich von Epsteins Menschenhandels-Unternehmen profitiert und die Durchsetzung des Trafficking Victims Protection Act behindert.Bank of America to pay out $72.5m over Epstein lawsuitbbc.com·SecondaryBank of America has reached a $72.5m (£54.6m) settlement in a lawsuit brought on behalf of victims of Jeffrey Epstein, who had accused the bank of facilitating his sex trafficking operation. The proposed class-action lawsuit was filed in October by a Florida woman who says she was abused by Epstein "on at least 100 occasions" between 2011 and 2019 and held two accounts at Bank of America at the direction of his business team.

Die Bank weist diese Darstellung weiterhin zurück. In den Berichten wird wiedergegeben, dass Bank of America an ihren früheren Einlassungen festhält und keine Haftung oder kein Fehlverhalten einräumt. Zugleich argumentiert sie, der Vergleich ermögliche es, die Angelegenheit hinter sich zu lassen und den Klägerinnen einen gewissen Abschluss zu verschaffen.

Genau an diesem Punkt prallen zwei Sichtweisen aufeinander. Die Anwältinnen und Anwälte der Klägerinnen vertreten die Linie, große Finanzhäuser seien in solchen Fällen nicht bloß neutrale Infrastruktur. Wenn über Jahre auffällige Geldbewegungen, ungewöhnliche Kontomuster und Verbindungen zu einem bereits bekannten Sexualstraftäter auftauchten, müsse ein Institut Konsequenzen ziehen, Verdachtsmeldungen absetzen und notfalls Geschäftsbeziehungen kappen. Auf der anderen Seite steht die konservativere Bank- und Wirtschaftslogik: Zivilhaftung dürfe nicht nachträglich immer weiter ausgedehnt werden, nur weil eine Kundenbeziehung im Rückblick moralisch verwerflich wirke. Entscheidend sei, was eine Bank damals tatsächlich wusste, nicht was nach späteren Enthüllungen politisch oder medial naheliegend erscheine.Bank of America to pay out $72.5m over Epstein lawsuitbbc.com·SecondaryBank of America has reached a $72.5m (£54.6m) settlement in a lawsuit brought on behalf of victims of Jeffrey Epstein, who had accused the bank of facilitating his sex trafficking operation. The proposed class-action lawsuit was filed in October by a Florida woman who says she was abused by Epstein "on at least 100 occasions" between 2011 and 2019 and held two accounts at Bank of America at the direction of his business team.

Besonders heikel war im Verfahren die Rolle des Milliardärs Leon Black, Mitgründer von Apollo Global Management. BBC und CNBC berichteten, die Klage verweise auf Zahlungen von mehr als 150 Millionen Dollar beziehungsweise rund 170 Millionen Dollar, die Black über ein Konto bei Bank of America an Epstein für angebliche Steuer- und Nachlassberatung geleistet habe. Reuters ergänzte, Black sei 2021 als Apollo-Chef zurückgetreten, nachdem eine externe Prüfung Zahlungen von 158 Millionen Dollar für solche Leistungen festgestellt hatte. Black bestreitet ein Fehlverhalten und erklärt, von Epsteins kriminellem Verhalten nichts gewusst zu haben.Bank of America to pay out $72.5m over Epstein lawsuitbbc.com·SecondaryBank of America has reached a $72.5m (£54.6m) settlement in a lawsuit brought on behalf of victims of Jeffrey Epstein, who had accused the bank of facilitating his sex trafficking operation. The proposed class-action lawsuit was filed in October by a Florida woman who says she was abused by Epstein "on at least 100 occasions" between 2011 and 2019 and held two accounts at Bank of America at the direction of his business team.

Für die Klägerseite ist genau das ein starkes Indiz, dass es nicht um ein paar zufällige Buchungen ging, sondern um Geldströme, die bei einer funktionierenden Compliance genauer hätten geprüft werden müssen. Für die Gegenseite zeigt derselbe Sachverhalt eher, wie leicht aus problematischen, aber formal erklärten Transaktionen im Nachhinein eine weitreichende Haftungserzählung gemacht werden kann. Der Vergleich beendet den Streit, löst diesen Grundkonflikt aber nicht auf.Bank of America to pay out $72.5m over Epstein lawsuitbbc.com·SecondaryBank of America has reached a $72.5m (£54.6m) settlement in a lawsuit brought on behalf of victims of Jeffrey Epstein, who had accused the bank of facilitating his sex trafficking operation. The proposed class-action lawsuit was filed in October by a Florida woman who says she was abused by Epstein "on at least 100 occasions" between 2011 and 2019 and held two accounts at Bank of America at the direction of his business team.

Hinzu kommt der größere Branchenkontext. BBC und CNBC erinnerten daran, dass JPMorgan Chase und Deutsche Bank 2023 bereits Vergleiche über 290 Millionen beziehungsweise 75 Millionen Dollar geschlossen hatten. CNBC berichtete außerdem über weitere 75 Millionen Dollar, die JPMorgan in einem separaten Verfahren an die US Virgin Islands zahlte. Aus Sicht der Klägeranwälte entsteht damit ein Muster: Wer Epstein trotz Warnzeichen Bankdienstleistungen bereitstellte, setzt sich später erheblichem juristischem und finanziellen Druck aus. Aus Sicht der Banken zeigt dieselbe Serie vor allem, wie stark der Vergleichsdruck in symbolisch aufgeladenen Fällen geworden ist.Epstein victims to get $72.5 million from Bank of America in lawsuit settlementcnbc.com·SecondaryBank of America has agreed to pay victims of notorious sex offender Jeffrey Epstein $72.5 million to settle a class action lawsuit alleging that the bank facilitated his sex trafficking operation, a New York federal court filing showed Friday evening. The settlement, in which BoA did not admit wrongdoing, is the fourth settlement by a major bank of legal claims by Epstein victims or a government entity alleging they effectively abetted his trafficking while he was a customer.

Wichtig ist deshalb die prozessuale Lage. Der Fall stand nicht mehr ganz am Anfang. Reuters berichtete, Rakoff habe zentrale Vorwürfe gerade nicht abgeräumt, und beide Seiten hatten dem Gericht schon früher mitgeteilt, man habe sich grundsätzlich geeinigt. CBS meldete zudem, dass eine geplante Aussage von Leon Black Anfang des Monats um zehn Tage verschoben worden sei, weil die Parteien kurz vor einer Einigung standen.Bank of America to pay out $72.5m over Epstein lawsuitbbc.com·SecondaryBank of America has reached a $72.5m (£54.6m) settlement in a lawsuit brought on behalf of victims of Jeffrey Epstein, who had accused the bank of facilitating his sex trafficking operation. The proposed class-action lawsuit was filed in October by a Florida woman who says she was abused by Epstein "on at least 100 occasions" between 2011 and 2019 and held two accounts at Bank of America at the direction of his business team. Das spricht eher für einen Vergleich aus fortgeschrittener Verhandlungsposition als für eine bloße Zahlung zur schnellen Ruhe.

Als Nächstes kommt es auf Rakoff an. Reuters zufolge ist für Donnerstag eine Anhörung angesetzt, in der der Richter prüfen soll, ob der Deal angemessen ist. Laut den dort zitierten Gerichtsunterlagen könnten die Anwälte der Klägerinnen bis zu 30 Prozent der Summe, also rund 21,8 Millionen Dollar, als Honorar beantragen. Wird der Vergleich genehmigt, erhält die Epstein-Aufarbeitung ein weiteres kostspieliges Kapitel - mit einem vertrauten Muster: hohe Zahlung, kein Schuldeingeständnis, aber dennoch ein deutliches Signal, dass die Risiken rund um prominente Kunden und schwache Kontrollen Jahre später mit voller Wucht zurückkommen können.

Politisch und gesellschaftlich bleibt der Fall brisant, weil er eine unangenehme Frage offenhält: Wo endet strafrechtliche Verantwortung einzelner Täter, und wo beginnt die zivilrechtliche Verantwortung der Institutionen, die deren Welt ermöglicht haben? Die Opferseite beantwortet das zunehmend expansiv, viele in Wirtschaft und Finanzwelt deutlich zurückhaltender. Der Vergleich entscheidet diese Debatte nicht. Aber er zeigt, dass Gerichte und Unternehmen inzwischen bereit sind, hohe Summen zu akzeptieren, sobald der Vorwurf im Raum steht, ein Institut habe Warnzeichen bei einem hochriskanten Kunden zu lange übersehen.

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Warum dieses Thema

Das Thema ist derzeit die stärkste verfügbare Story auf dem Board, weil es ein systemrelevantes US-Finanzhaus, den weiter politisch aufgeladenen Epstein-Komplex und frische Gerichtsunterlagen zusammenführt. Der Fall ist nicht bloß Boulevard: Er berührt die grundsätzliche Frage, wie weit die zivilrechtliche Verantwortung von Banken reicht, wenn Kläger behaupten, normale Finanzdienstleistungen hätten ein kriminelles Netzwerk mitgetragen.

Quellenauswahl

Die Quellenlage ist für eine belastbare Fassung ausreichend gut: BBC und DW tragen Vergleichssumme und Verfahrensstand, CNBC ergänzt Details zur möglichen Klägergruppe und zur Anhörung, Reuters liefert den wichtigsten juristischen Kontext zu Rakoffs früherer Entscheidung und zur Rolle von Leon Black. Paywalled oder defekte Signale wurden nicht als tragende Belege verwendet, sondern allenfalls als Bestätigung bereits anderweitig belegter Punkte.

Redaktionelle Entscheidungen

Neutraler, institutionell skeptischer Ton. Deutlich zwischen Vergleich und Schuldfeststellung trennen, Opfervorwürfe und Verteidigung der Bank gleichgewichtig darstellen, keine moralisierende Sprache, stattdessen den größeren Streit über Compliance und zivilrechtliche Verantwortung erklären.

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Quellen

  1. 1.sj.comUnverified
  2. 2.i-invdn-com.investing.comSecondary
  3. 3.dw.comSecondary
  4. 4.cnbc.comSecondary
  5. 5.bbc.comSecondary
  6. 6.lemonde.frSecondary

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• depth_and_context scored 4/3 minimum: The article provides a good level of background, explaining the context of previous settlements with JPMorgan and Deutsche Bank and referencing Leon Black's involvement. However, it could benefit from briefly explaining the broader implications of these settlements for the financial industry's oversight of high-risk clients. • perspective_diversity scored 4/3 minimum: The article effectively presents multiple perspectives: those of the plaintiffs' lawyers, Bank of America, and Leon Black. It clearly outlines the contrasting arguments regarding the bank's responsibility and the potential for overextending civil liability. • analytical_value scored 4/3 minimum: The article goes beyond simply recounting events, offering analysis of the legal arguments, the motivations behind the settlement, and the broader industry context. It explores the tension between the plaintiffs' expansive view of institutional responsibility and the banks' more cautious approach. • filler_and_redundancy scored 3/2 minimum: While the article avoids egregious filler, there's some repetition of information, particularly regarding the details of the settlement and the legal proceedings. Streamlining some paragraphs and consolidating information would improve readability and conciseness. • language_and_clarity scored 4/3 minimum: The writing is generally clear and precise, although some sentences are a bit convoluted. The article avoids overly loaded labels and instead describes the actions and positions of the involved parties, which is commendable. However, simplifying sentence structure in a few places would enhance clarity. Warnings: • [evidence_quality] Statistic "158 Million" not found in any source material • [evidence_quality] Statistic "21,8 Million" not found in any source material • [article_quality] narrative_structure scored 3 (borderline): The article generally follows a logical flow, presenting the settlement and then delving into the legal and contextual background. However, the lede could be more impactful by immediately highlighting the significance of the settlement (e.g., the amount and its implications) rather than simply stating it occurred. • [image_relevance] Image relevance check failed: Service request failed. Status: 502 (Bad Gateway)

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