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Labour knickt beim Jugendmindestlohn ein — junge Briten stehen vor dem schwierigsten Arbeitsmarkt seit einem Jahrzehnt

Das Finanzministerium hält eine Verschiebung der Angleichung von Jugend- und Erwachsenenmindestlohn für «so gut wie sicher», nachdem die Jugendarbeitslosigkeit den höchsten Stand seit fünf Jahren erreicht hat.

VonCT Editorial BoardRedaktion

18. Feb. 2026, 13:03

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Rachel Reeves, UK Chancellor of the Exchequer, in her official cabinet portrait
Rachel Reeves, UK Chancellor of the Exchequer, in her official cabinet portrait

Als Rachel Reeves am Dienstagmorgen in einem Supermarkt in Südlondon gleich zweimal gefragt wurde, ob die Regierung an ihrem Wahlversprechen festhalte, den Mindestlohn für jüngere und ältere Arbeitnehmer anzugleichen, wich die Schatzkanzlerin mit bemerkenswerter Sorgfalt aus. Sie sprach von Ausbildungsplätzen, von Weiterbildungsangeboten, von Förderprogrammen. Was sie nicht sagte, war Ja .

Diese Nicht-Antwort bestätigte, was Eingeweihte im Finanzministerium bereits durchsickern liessen: Labours Versprechen, die altersbasierten Unterschiede im Mindestlohnsystem abzuschaffen, wird auf die lange Bank geschoben. Ein hochrangiger Treasury-Beamter erklärte gegenüber dem Guardian, eine langsamere Angleichung sei «all but certain» — so gut wie sicher — wobei die formale Entscheidung bei der Low Pay Commission liege, dem unabhängigen Gremium, das die Mindestlohnsätze festlegt . Die Regierung werde in den kommenden Monaten Beweismaterial vorlegen, das nach allem, was man hört, für Vorsicht plädieren wird.

Der Hintergrund dieser Kehrtwende ist dramatisch. Offizielle Zahlen zeigen, dass die Jugendarbeitslosigkeit unter 18- bis 24-Jährigen im letzten Quartal 2025 ein Fünfjahreshoch erreicht hat . Experten wiesen darauf hin, dass die Zahlen — bereinigt um den pandemiebedingten Anstieg — sogar den höchsten Stand seit elf Jahren darstellen . Minister haben in den vergangenen Monaten Besorgnis über die Entwicklung geäussert, und zwei Regierungsquellen bestätigten, dass eine Verlangsamung der Angleichung geprüft werde .

Labours Wahlprogramm von 2024 hatte versprochen, den Mindestlohn noch vor der nächsten Parlamentswahl anzugleichen. Die Logik schien bestechend einfach: Zum jetzigen Zeitpunkt erhalten 18- bis 20-Jährige mindestens £10 pro Stunde, während über 21-Jährige £12.21 bekommen . Doch die vergangenen achtzehn Monate haben eine Wirtschaft hervorgebracht, die sich weigert, mit Wahlkampfversprechen zu kooperieren.

Das Centre for Policy Studies hat errechnet, dass die Gesamtkosten für die Beschäftigung eines über 21-Jährigen ab April um 15% gegenüber 2024 gestiegen sein werden. Für 18- bis 20-Jährige beträgt der Anstieg hingegen 26%, also £4,095 pro Arbeitnehmer — ein Unterschied, der das Risiko verringert, das Arbeitgeber bei der Einstellung jüngerer Mitarbeiter einzugehen bereit sind . Diese Differenz markiert die Grenze zwischen einer verkraftbaren Kostensteigerung und einer, die das Einstellungsverhalten grundlegend verändert — insbesondere für kleine Unternehmen in Gastronomie, Einzelhandel und Lebensmittelverarbeitung, jenen Branchen, die überproportional viele junge Menschen beschäftigen.

Die Wirtschaft lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Kate Shoesmith, Direktorin für Politikfragen bei den British Chambers of Commerce, berichtete, dass über ein Drittel der Unternehmen — 37% — angegeben habe, die geplante Lohnerhöhung für die jüngsten Arbeitnehmer werde sie von Neueinstellungen abhalten . «On top of all the other costs that have been piled on business, and with youth unemployment already rising at an alarming rate, it would be a sensible move», sagte sie. «It would ease the pressure on firms and allow them to give young people a chance to get a foot on the career ladder» .

Alex Hall-Chen, leitende Politikberaterin für Beschäftigung beim Institute of Directors, lieferte härtere Zahlen. Die Forschung ihrer Organisation ergab, dass 13% der Unternehmensführer auf die deutlichen Erhöhungen des Jugendmindestlohns reagiert hatten, indem sie die Beschäftigung von 16- bis 20-Jährigen im Vergleich zu anderen Altersgruppen reduzierten . Eine Verlangsamung sei eine Verbesserung gegenüber dem aktuellen Ansatz, sagte sie, doch wirkungsvoller wäre es, die Angleichung ganz zu pausieren und die Auswirkungen zunächst zu bewerten .

Alan Milburn, ehemaliger Labour-Minister und Vorsitzender der Regierungskommission für junge Menschen und Arbeit, lieferte die wohl alarmierendste Einschätzung. Er sagte der BBC, die steigende Jugendarbeitslosigkeit stelle ein «existential» Risiko für Grossbritannien dar und könne «a generation on the scrapheap» — eine ganze Generation auf den Schrotthaufen — werfen . «This is not a short-term phenomenon, it's a long-term one», warnte er. «We're seeing something dramatic changing in the labour markets» . Sein Bericht, der im Sommer erscheinen soll, wird voraussichtlich Strukturreformen vorschlagen, die weit über die Mindestlohnpolitik hinausgehen.

Auf der anderen Seite der Debatte steht Andy Prendergast, nationaler Sekretär der GMB-Gewerkschaft, der die These, eine Angleichung der Mindestlöhne werde Arbeitsplätze vernichten, als «nonsense» zurückwies . «Employers tell us that every single improvement in workers' rights is going to cause a problem and time and time again they have been proved wrong», sagte er . Die Gewerkschaftsperspektive verweist auf eine echte Spannung in den Daten: Jugendarbeitslosigkeit steigt seit geraumer Zeit, angetrieben von strukturellen Faktoren, die Labours Lohnversprechen vorausgehen — die Neuordnung des Arbeitsmarktes nach der Pandemie, die wachsende Diskrepanz zwischen den Fähigkeiten junger Menschen und den Anforderungen der Arbeitgeber, sowie der Anstieg wirtschaftlicher Inaktivität unter Jungen.

Politisch ist die Lage für Starmers Regierung heikel. Wer ein Wahlversprechen zurücknimmt — zumal eines, das im Namen von Fairness formuliert wurde —, setzt sich dem Vorwurf des Verrats von links und der wirtschaftspolitischen Inkompetenz von rechts aus. Die Verlangsamung würde bedeuten, dass Labour sein Wahlversprechen der Angleichung vor der nächsten Wahl bricht . Reeves selbst verwies, als sie bedrängt wurde, auf bestehende Anreize: den Ausbildungssatz des Mindestlohns, keine Sozialversicherungsbeiträge für die jüngsten Arbeitnehmer und den Ausbau von Weiterbildungs- und Ausbildungsplätzen . Eine Verzögerung bestritt die Schatzkanzlerin nicht .

Für die konservative Opposition und wirtschaftsnahe Stimmen bestätigt der Rückzug langjährige Warnungen: Wer gleichen Lohn für Arbeitnehmer mit völlig unterschiedlicher Erfahrung vorschreibe, werde junge Menschen aus dem Markt drängen. Dass Labour diesen Punkt nun im Wesentlichen einräumt — während die Partei das Gegenteil behauptet — gibt Kritikern ein wirkungsvolles Argument vor den Kommunalwahlen.

Die tiefere Frage bleibt, ob eine Verlangsamung der Angleichung tatsächlich helfen wird. Wenn Jugendarbeitslosigkeit vor allem durch strukturelle Verschiebungen in der Wirtschaft getrieben wird — Automatisierung, die Erosion traditioneller Einstiegspositionen und eine Generation, die sich zunehmend vom formellen Arbeitsmarkt abkoppelt —, dann ist das Justieren von Lohnstufen Symptombekämpfung, nicht Ursachentherapie. Die Low Pay Commission wird die Evidenz prüfen, wenn die Regierung sie in den kommenden Monaten vorlegt, doch die Kommission operiert innerhalb eines engen Mandats, das die umfassendere Arbeitsmarkttransformation, vor der Milburn warnt, nicht abdeckt.

Ein Regierungssprecher bot eine Formulierung, die die unbequeme Lage der Regierung mit unbeabsichtigter Präzision einfing: «We are raising the national living and minimum wage so that low-paid workers are properly rewarded» . Richtig genug — aber auffällig still zur Frage, wann und für wen.

Klar ist: Grossbritanniens jüngste Arbeitnehmer sind zwischen zwei Kräften gefangen, die weder sie noch irgendeine Regierung vollständig kontrolliert — einer Wirtschaft, die immer weniger der Einstiegspositionen hervorbringt, die sie brauchen, und einem politischen System, das ihnen Gleichbehandlung versprochen hat, die es möglicherweise nicht liefern kann.

KI-Transparenz

Warum dieser Artikel geschrieben wurde und wie redaktionelle Entscheidungen getroffen wurden.

Warum dieses Thema

Wenn eine amtierende Regierung ein zentrales Wahlversprechen zu brechen droht, ist das per se nachrichtenwürdig. Diese Geschichte verbindet eine Politikwende mit alarmierenden Arbeitsmarktdaten — Jugendarbeitslosigkeit auf Fünfjahreshoch, Arbeitslosigkeit junger Männer über dem Covid-Höchststand — und berührt breitere Debatten über KI-getriebene Automatisierung, die Kosten der Beschäftigungsregulierung und generationelle wirtschaftliche Ungleichheit. Die Tatsache, dass Treasury-Quellen offen gegen die eigene Politik briefen, verleiht der Geschichte zusätzliche politische Brisanz.

Quellenauswahl

Der Cluster stützt sich auf zwei Tier-1-Quellen: den Originalbericht des Guardian von Jessica Elgot und Tom Knowles mit namentlich genannten Treasury-Quellen und ausführlichen Zitaten von Wirtschaftsvertretern und Gewerkschaftern sowie den politischen Liveblog des Guardian mit der direkten Reaktion von Schatzkanzlerin Reeves. Ergänzende Berichterstattung von BBC News, The Independent, GB News, LBC und dem Mirror bestätigt die Geschichte über das gesamte politische Spektrum. ONS-Arbeitsmarktdaten liefern die statistische Grundlage. Der Quellenmix stellt sicher, dass sowohl wirtschaftsfreundliche als auch arbeitnehmerfreundliche Perspektiven vertreten sind.

Redaktionelle Entscheidungen

Diese Geschichte bricht heute über den Guardian und die BBC, wobei Treasury-Quellen eine Verzögerung von Labours Wahlversprechen zur Angleichung des Jugendmindestlohns als «so gut wie sicher» bestätigen. Der Artikel stützt sich auf zwei Primärquellen (Guardian-Bericht und BBC-Today-Berichterstattung) sowie ONS-Arbeitsmarktstatistiken vom Vortag. Wir präsentieren sowohl die wirtschaftliche Argumentation für eine Verzögerung (British Chambers of Commerce, Institute of Directors, Luke Johnson) als auch die Gewerkschaftsperspektive (GMB's Prendergast) mit gleichem Gewicht und weisen auf die strukturellen Faktoren hin, die Jugendarbeitslosigkeit über die Lohnpolitik hinaus antreiben.

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