Trump macht Kehrtwende bei Chagos-Deal — Stunden nachdem sein Aussenministerium ihn unterstützt hatte
Der US-Präsident widersprach seinem eigenen Aussenministerium öffentlich und forderte Grossbritannien auf, die Chagos-Inseln nicht an Mauritius abzutreten — einen Tag nach Washingtons formeller Zustimmung.
18. Feb. 2026, 21:02

Es war ein diplomatisches Schauspiel, das selbst erfahrene Beobachter der transatlantischen Beziehungen in Erstaunen versetzte: Am Dienstag hatte das US-Aussenministerium in einer formellen Erklärung seine Unterstützung für das Abkommen zwischen Grossbritannien und Mauritius über die Chagos-Inseln bekräftigt — am Mittwochabend postete Donald Trump in Grossbuchstaben auf Truth Social: «DO NOT GIVE AWAY DIEGO GARCIA!»
Der Widerspruch zwischen der institutionellen Position Washingtons und dem Wort des Präsidenten könnte kaum grösser sein. Das State Department hatte die Vereinbarung als entscheidend für den «langfristigen, stabilen und effektiven Betrieb der gemeinsamen US-britischen Militäreinrichtung auf Diego Garcia» bezeichnet . Trump hingegen nannte die Souveränitätsübertragung einen «grossen Fehler» und warnte Premierminister Keir Starmer, er verliere die Kontrolle über die strategisch bedeutsame Insel an «Entitäten, die nie zuvor bekannt waren» und deren Ansprüche «fiktiver Natur» seien .
Die Kehrtwende fällt in einen Moment, in dem die Chagos-Frage ohnehin eine dramatische neue Dimension erhalten hat. Am Montag waren vier Chagossianer auf der Île du Coin gelandet, einem Atoll der Peros-Banhos-Gruppe im nördlichen Archipel, und hatten angekündigt, eine dauerhafte Siedlung zu errichten . Es war die erste Rückkehr von Chagossianern auf die Inseln seit der erzwungenen Umsiedlung von bis zu 2000 Menschen in den 1960er und 1970er Jahren — ein Akt des zivilen Ungehorsams, der die abstrakte Diplomatie mit einer menschlichen Realität konfrontierte.
Die britischen Behörden reagierten mit Ausweisungsverfügungen gegen die vier Personen. Die Dokumente, die Reuters einsehen konnte, warnten, dass eine Rückkehr nach der Ausweisung eine Straftat darstelle, die mit bis zu drei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 3000 Pfund geahndet werden könne . Das Aussenministerium in London bezeichnete die Landung als «illegalen, unsicheren Stunt» — eine Wortwahl, die bei vielen Chagossianern Empörung auslöste.
Trumps Intervention ging diesmal deutlich weiter als seine Kritik vom Januar, als er die Souveränitätsübertragung als «Akt grosser Dummheit» bezeichnet hatte. Neu verknüpfte er die Chagos-Frage mit der Iran-Politik: Sollte Teheran kein Abkommen mit den USA schliessen, «könnte es notwendig sein, dass die Vereinigten Staaten Diego Garcia und den Flugplatz in Fairford nutzen, um einen potenziellen Angriff eines höchst instabilen und gefährlichen Regimes auszuschalten» . Die rhetorische Verbindung zwischen einem Inselstreit im Indischen Ozean und einem möglichen Militärschlag gegen den Iran markierte eine erhebliche Eskalation.
White-House-Sprecherin Karoline Leavitt liess keinen Raum für Interpretation: Der Social-Media-Post sei «als Politik der Trump-Administration zu verstehen. Er kommt direkt aus dem Mund des Pferdes» . Damit war die am Vortag verkündete Position des Aussenministeriums de facto ausser Kraft gesetzt — und britische Diplomaten standen vor der Frage, welche Stimme in Washington tatsächlich das letzte Wort hat.
In Westminster fielen die Reaktionen entlang der erwartbaren Linien. Schattenaussenministerin Priti Patel erklärte, Trump habe «Keir Starmer und seine Regierung erneut öffentlich für ihre schlecht durchdachte, unnötige und teure Chagos-Kapitulation gerügt. Das ist eine totale Demütigung für Starmer» . Die konservative Opposition hat ihre Position seit der Ankündigung des Deals stetig verhärtet; führende Vertreter der Tories und der Reform UK lobbyieren aktiv gegen ein Abkommen, das Grossbritannien rund 3.4 Milliarden Pfund über die 99-jährige Laufzeit kosten wird .
Liberal-Democrat-Chef Ed Davey wählte einen anderen Angriffswinkel: Trumps «Hin und Her» zeige, warum Starmers Ansatz «zum Scheitern verurteilt» sei. Grossbritannien könne sich nicht auf die USA verlassen, solange Trump im Weissen Haus sitze, und müsse stattdessen die Beziehungen zu den europäischen Nachbarn stärken . Es war eine Argumentation, die weniger die Substanz des Deals in Frage stellte als die geopolitische Abhängigkeit, die er offenlegte.
Das britische Aussenministerium hielt an seiner Position fest: Das Abkommen sei «entscheidend für die Sicherheit Grossbritanniens und seiner wichtigsten Verbündeten» und stelle «den einzigen Weg dar, die langfristige Zukunft dieser lebenswichtigen Militärbasis zu garantieren» . Hinter den Kulissen verwiesen Beamte auf die Dienstag-Erklärung des State Department als Beleg für anhaltende institutionelle Unterstützung — auch wenn sie einräumten, dass der Präsidenten-Post das Bild erheblich verkompliziert habe.
Die chagossianische Gemeinschaft selbst ist tief gespalten. Die vier Aktivisten auf Peros Banhos vertreten eine Fraktion, die das Mauritius-Abkommen ablehnt und Port Louis jahrzehntelange Vernachlässigung der vertriebenen Inselbewohner vorwirft. Andere Chagossianer unterstützen die Übertragung als besten Weg zu einer eventuellen Rückkehr. Der UN-Ausschuss für die Beseitigung rassistischer Diskriminierung hat sowohl Grossbritannien als auch Mauritius aufgefordert, das Abkommen nicht zu ratifizieren, da es die historischen Rechtsverletzungen gegen die vertriebene Bevölkerung zu perpetuieren drohe .
Besonders brisant ist der legislative Zeitplan. Ein Gesetzentwurf zur Ratifizierung des Chagos-Abkommens befindet sich im House of Lords, wurde aber nach Trumps Januar-Attacke verzögert und sollte nächste Woche wieder aufgenommen werden . Ob das nach der deutlich schärferen Intervention vom Mittwoch noch planmässig geschehen wird, ist eine offene Frage.
Die Episode offenbart ein Muster, das Regierungen im Umgang mit der Trump-Administration zunehmend vertraut ist: Institutionelle Positionen können durch einen einzigen Social-Media-Post über den Haufen geworfen werden, und die Kluft zwischen bürokratischem Konsens und präsidialem Impuls bleibt unüberbrückbar. Für Starmer ist die Herausforderung nicht nur diplomatischer, sondern existenzieller Natur — ein Abkommen, das die Chagos-Frage für eine Generation klären sollte, droht zur offenen Wunde zu werden, die ein amerikanischer Präsident nach Belieben aufreissen kann.
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Warum dieses Thema
Wenn ein amtierender US-Präsident innerhalb von 24 Stunden seinem eigenen Aussenministerium öffentlich widerspricht — bei einem Souveränitätsabkommen über eine strategisch zentrale Militärbasis im Indischen Ozean —, ist das per se eine Nachricht von hoher Relevanz. Die Geschichte verknüpft mehrere Stränge von grossem Interesse: die Dynamik der US-britischen Allianz unter Trump, die Zukunft von Diego Garcia als militärisches Asset angesichts steigender Iran-Spannungen, das ungelöste Erbe des britischen Kolonialismus im Indischen Ozean und das dramatische menschliche Element der chagossianischen Aktivisten, die physisch auf ihre Inseln zurückkehren. Der legislative Zeitplan — mit der erwarteten Ratifizierung im House of Lords nächste Woche — verleiht zusätzliche Dringlichkeit.
Quellenauswahl
Wir stützen uns auf zwei Tier-1-Quellen: The Guardian und Politico EU, die beide detaillierte Originalberichterstattung liefern, einschliesslich direkter Zitate aus Trumps Truth-Social-Post, Reaktionen von Karoline Leavitt, Priti Patel, Ed Davey und dem britischen Aussenministerium. The Guardian berichtet zusätzlich über die Landung der Chagossianer auf Peros Banhos und die britischen Ausweisungsverfügungen, einschliesslich von Reuters eingesehener Dokumente. Beide Quellen zitieren die Dienstag-Erklärung des State Department und etablieren damit die faktische Grundlage für die Kehrtwende. Gegenprüfungen mit der offiziellen State-Department-Erklärung und zusätzlicher Berichterstattung von Telegraph, BBC und Independent bestätigen die Kernfakten.
Redaktionelle Entscheidungen
Diese Geschichte dokumentiert eine bemerkenswerte diplomatische Kehrtwende innerhalb von 24 Stunden mit erheblichen Auswirkungen auf die britisch-amerikanischen Beziehungen, die Sicherheitsarchitektur im Indopazifik und die Rechte vertriebener Gemeinschaften. Wir präsentieren alle drei Hauptperspektiven — die widersprüchlichen Signale der Trump-Administration, die defensive Haltung der britischen Regierung und die gespaltenen Interessen der chagossianischen Gemeinschaft — mit gleichem Gewicht.
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