Kubas Treibstoffkrise verschärft sich: Russland evakuiert Touristen, Zigarrenmesse verschoben, Raffineriebrand in Havanna
Russland begann letzte Woche, 5000 Touristen aus Kuba zu evakuieren, während ein US-Ölembargo die Treibstoffversorgung der Insel abschnürt und Stromausfälle, Flugstreichungen und Rationierung auslöst.
15. Feb. 2026, 11:03

Am Dienstag vergangener Woche traf in Moskau eine Nachricht ein, die den Ernst der Lage auf Kuba schlagartig verdeutlichte: Die russische Luftfahrtbehörde Rosawiatija ordnete an, dass Rossija Airlines und Nordwind Airlines nur noch Rückflüge von Havanna und Varadero nach Moskau durchführen dürfen — um die geschätzt 5000 russischen Touristen auf der Insel nach Hause zu bringen . Danach würden die Verbindungen komplett eingestellt. Der Grund: Kubas Flughäfen konnten keinen Treibstoff mehr für abfliegende Maschinen garantieren.
Es war der bislang sichtbarste Beweis einer Krise, die Analysten als die schwerste seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion bezeichnen. Ausgelöst wurde sie durch die militärische Intervention der Trump-Regierung in Venezuela am 3. Januar, bei der US-Streitkräfte Präsident Nicolás Maduro festnahmen. Havanna gab an, 32 kubanische Staatsbürger seien bei dem Einsatz ums Leben gekommen . Venezuela war bis dahin Kubas wichtigster Öllieferant gewesen. In den Wochen danach verhängte Washington ein De-facto-Ölembargo gegen Kuba und drohte jedem Land, das weiterhin Treibstoff liefere, mit Zöllen .
Mexiko, Kubas zweitwichtigster Energiepartner, stellte seine Lieferungen am 27. Januar ein. Präsidentin Claudia Sheinbaum nannte dies eine «souveräne Entscheidung» — doch der Zeitpunkt liess wenig Zweifel am tatsächlichen Grund . Damit war Kuba praktisch von seinen beiden wichtigsten Ölquellen abgeschnitten.
Die Folgen liessen nicht lange auf sich warten. Am 4. Februar fielen die östlichen Provinzen Guantánamo, Santiago de Cuba, Holguín und Granma in einen vollständigen Blackout, während Havanna und der Westen der Insel mit schweren Stromausfällen kämpften . Fünf Tage später teilten die kubanischen Luftfahrtbehörden mit, dass sie Flugzeuge an den Landesflughäfen nicht mehr betanken könnten. Air Canada und WestJet strichen daraufhin sämtliche Kuba-Flüge .
Am vergangenen Samstag kam ein weiterer Rückschlag hinzu: Habanos S.A., das weltweite Monopol für kubanische Zigarren, verschob seine 26. jährliche Zigarrenmesse auf unbestimmte Zeit. Das Unternehmen sprach davon, «den hohen Qualitätsstandard der Veranstaltung wahren» zu wollen — doch in Wahrheit machen die Treibstoffengpässe Grossveranstaltungen logistisch unmöglich. 2025 hatte die Messe mit einer Auktion über 18 Millionen Dollar geendet, und Habanos meldete Rekordumsätze von 827 Millionen Dollar.
Als wollte das Schicksal den Druck noch erhöhen, brach am Freitag ein Feuer in der Ñico-López-Raffinerie in Havanna aus. Die BBC berichtete, der Brand sei rasch unter Kontrolle gebracht worden — doch er unterstrich die Verwundbarkeit der verbliebenen Energieinfrastruktur.
Die kubanische Regierung hat Notmassnahmen ergriffen: Staatsbetriebe arbeiten nur noch vier Tage pro Woche, Schultage wurden verkürzt, Treibstoffverkäufe rationiert, und mehrere Touristenhotels geschlossen oder zusammengelegt . Russische Touristen berichteten in Chatgruppen, sie seien in Hotels mit stabilerer Stromversorgung verlegt worden .
Diplomatisch bewegt sich Havanna auf einem schmalen Grat. Präsident Miguel Díaz-Canel verurteilte die amerikanischen Massnahmen, signalisierte aber Gesprächsbereitschaft — «ohne Druck oder Vorbedingungen» . Der Kreml bezeichnete die Lage als «wirklich kritisch» und warf Washington vor, Kuba «ersticken» zu wollen . Aussenminister Sergei Lawrow versicherte Moskaus «Solidarität» und «Bereitschaft, unseren Freunden jede notwendige Unterstützung zu gewähren» .
Doch die Grenzen dieser Solidarität sind offensichtlich. Russland ist mit dem Krieg in der Ukraine vollauf beschäftigt und verhandelt gleichzeitig mit der Trump-Regierung — ein Kurs, der wenig Spielraum für Provokationen lässt . Auch China stellte sich rhetorisch an Kubas Seite: Ein Sprecher des Aussenministeriums erklärte, Peking lehne «die unmenschlichen Handlungen, die dem kubanischen Volk das Recht auf Existenz und Entwicklung entziehen», entschieden ab . Konkrete Öllieferungen blieben jedoch aus.
Robert Munks, Leiter der Amerikaforschung bei Verisk Maplecroft, sieht die Lage als potenziell regimebedrohend. «Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Präsident Díaz-Canel in den kommenden Wochen oder Monaten in einem manageden Übergang nach Maduro-Vorbild von der Macht verdrängt wird», sagte er CNBC . Par Kumaraswami, Professorin für Lateinamerikastudien an der Universität Nottingham, zeichnete ein differenzierteres Bild: Es gebe zwar «Frustration über die Schwierigkeiten des Alltags», doch viele Kubaner seien «entschlossen, Bedrohungen ihrer nationalen Souveränität zu widerstehen», und es sei «eine neue Welle des Patriotismus» entstanden .
Präsident Trump hat keinen Zweifel an seinen Zielen gelassen. Er nannte Kubas Regierung «eine ungewöhnliche und ausserordentliche Bedrohung», forderte die Kubaner auf, «einen Deal zu machen, bevor es zu spät ist», und scherzte, Aussenminister Marco Rubio könnte «der nächste Präsident Kubas» werden . Gleichzeitig drängte Washington Nicaragua, die visumfreie Einreise für Kubaner abzuschaffen — und verschloss damit ein wichtiges Migrationsventil .
Für Kubas elf Millionen Einwohner bleibt die Frage nicht mehr, ob sich die Krise verschärft, sondern wie lange die Regierung durchhalten kann. Anders als in früheren Krisen fehlt ein zahlungskräftiger Schutzpatron, der bereit wäre, die Kosten eines Konflikts mit Washington zu tragen. Die Sowjetunion existiert nicht mehr, Venezuelas Regierung wurde gestürzt, und weder Russland noch China scheinen gewillt, eine amerikanische Ölblockade in der Karibik herauszufordern. Brasiliens Präsident Lula da Silva verurteilte die Blockade und rief zu humanitärer Hilfe auf — Öl anzubieten wagte er nicht.
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Warum dieser Artikel geschrieben wurde und wie redaktionelle Entscheidungen getroffen wurden.
Warum dieses Thema
Kubas Treibstoffkrise ist eine der bedeutendsten geopolitischen Entwicklungen in der westlichen Hemisphäre. Das US-Ölembargo hat eine humanitäre Notlage geschaffen, die elf Millionen Menschen betrifft, mit Kettenreaktionen in Tourismus, Luftfahrt, Energieinfrastruktur und Alltagsleben. Die Geschichte hat sich rasch zugespitzt — von Flugstreichungen über Touristenevakuierungen bis hin zum Raffineriebrand und der Verschiebung der Zigarrenmesse. Sie verbindet mehrere globale Handlungsstränge: US-Aussenpolitik unter Trump, die Lage in Venezuela nach Maduro, Russlands geopolitische Grenzen und die Frage, ob wirtschaftlicher Druck einen Regimewechsel herbeiführen kann.
Quellenauswahl
Der Cluster enthält zwei Tier-1-Quellen: The Guardian und Al Jazeera, beide mit detaillierter Berichterstattung über die Russland-Evakuierung einschliesslich direkter Zitate der russischen Luftfahrtbehörde, des Kremls und Aussenminister Lawrows. Ergänzt wurden diese durch CNBC (Analysteneinschätzungen von Verisk Maplecroft und Universität Nottingham), BBC (Raffineriebrand), Euronews und AP (Zigarrenmesse) sowie Wikipedias umfassenden Laufartikel zur Kubakrise 2026.
Redaktionelle Entscheidungen
Dieser Artikel verbindet die Evakuierung russischer Touristen aus den Clustersignalen mit aktuellen Entwicklungen vom Wochenende (Raffineriebrand, Verschiebung der Zigarrenmesse) zu einem umfassenden Überblick über Kubas sich verschärfende Treibstoffkrise. Quellen sind The Guardian, Al Jazeera (Clustersignale), CNBC, BBC, Euronews und Wikipedias laufender Artikel zur Kubakrise 2026. Alle Fakten sind Quellen zugeordnet. Der Beitrag stellt sowohl die erklärten Ziele der US-Regierung als auch Kubas Antwort dar.
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