FCC eröffnet Verfahren gegen The View und nennt Colbert-Kontroverse einen «Schwindel»
FCC-Chef Brendan Carr bestätigte eine Untersuchung gegen ABCs The View wegen der Equal-Time-Regel und bezeichnete die Zensurvorwürfe um Stephen Colbert als inszenierte Spendenaktion eines demokratischen Senatskandidaten.
18. Feb. 2026, 20:03

In den Fluren der Federal Communications Commission in Washington war am Mittwoch eine ungewohnte Energie zu spüren. FCC-Chef Brendan Carr hatte sichtlich Vergnügen daran, die Medienkontroverse der Woche zu kommentieren — eine Geschichte, die mit einem wütenden Late-Night-Moderator begann und nun Grundsatzfragen über politische Meinungsfreiheit im amerikanischen Fernsehen aufwirft.
«Ich glaube, gestern war die perfekte Zusammenfassung dafür, warum die Amerikaner mehr Vertrauen in Tankstellen-Sushi haben als in die nationalen Nachrichtenmedien», sagte Carr vor versammelten Journalisten . Der Anlass: Die Affäre um Stephen Colbert, den Moderator der Late Show auf CBS, der am Montagabend behauptet hatte, sein Sender habe ihm verboten, ein Interview mit dem texanischen Demokraten James Talarico auszustrahlen — aus Angst vor Konsequenzen der FCC .
Colbert hatte die Entscheidung als «Kapitulation» vor der Trump-Regierung dargestellt und Carr direkt mit den Worten «FCC you» adressiert. Das Segment ging viral. Kabelfernsehsender sprachen von Zensur. Auf Social Media formierte sich Empörung. Doch die Geschichte erwies sich als komplizierter, als Colberts Darstellung vermuten liess.
CBS veröffentlichte am Dienstag eine Erklärung, die Colberts Version direkt widersprach. Der Sender habe das Interview nicht verboten, sondern lediglich «rechtliche Hinweise gegeben, dass die Ausstrahlung die Equal-Time-Regel der FCC auslösen könnte» — eine Vorschrift aus dem Communications Act von 1934, die Fernsehsender verpflichtet, allen Kandidaten vergleichbare Sendezeit einzuräumen, wenn ein Konkurrent aufgetreten ist . Colbert feuerte am Dienstagabend zurück, hielt eine ausgedruckte Kopie der CBS-Erklärung wie Hundekot in die Kamera und betonte, dass CBS-Anwälte jedes Wort seines Montags-Skripts genehmigt hätten .
Carr liess keinen Zweifel daran, wie er den Vorfall einordnet: als politisches Manöver. «Jeder, der nicht an einer terminalen Form des Trump-Derangement-Syndroms leidet, konnte sofort sehen, wie sich diese Geschichte entwickeln würde», sagte er . «Ein demokratischer Kandidat hat verstanden, wie die Nachrichtenmedien funktionieren, und hat eure Vorurteile ausgenutzt, um offenbar einen Schwindel zum Zweck der Spendensammlung zu inszenieren — und die Nachrichtenmedien sind voll darauf hereingefallen.»
Die Zahlen stützen Carrs These vom Fundraising-Kalkül. Talaricos Kampagne meldete am Mittwoch Spendeneinnahmen von 2,5 Millionen Dollar in den 24 Stunden nach Colberts Monolog — ein Rekord . Der Kandidat selbst postete auf X einen Link zum YouTube-Interview mit den Worten: «Das ist das Interview, das Donald Trump nicht wollte, dass ihr es seht.» Tatsächlich hatte jedoch CBS die Entscheidung getroffen, nicht die FCC .
Doch die Colbert-Affäre ist nur ein Schauplatz eines grösseren Konflikts. Carr bestätigte am Mittwoch gegenüber dem Guardian, dass die FCC ein formelles Durchsetzungsverfahren gegen ABCs The View eingeleitet hat — wegen eines Auftritts von Talarico in der Sendung Anfang Februar . Die Grundlage: eine im Januar erlassene FCC-Richtlinie, die klarstellt, dass Talkshows im Tages- und Abendprogramm nicht mehr automatisch von der Equal-Time-Regel ausgenommen sind. Entscheidend sei, ob der Auftritt eines Kandidaten «durch parteiische Absichten motiviert» sei. Auch politische Spenden der Moderatoren könnten berücksichtigt werden .
Dieser Punkt hat es in sich. Colbert hat Spendenveranstaltungen für Präsidentschaftskandidaten ausgerichtet. Jimmy Kimmel soll nächsten Monat eine Veranstaltung für das Democratic Congressional Campaign Committee moderieren . Weder ABC noch CBS haben bei der FCC formal eine Ausnahme als «bona fide news interview» beantragt.
Die Kritik an Carrs Vorgehen kommt von erwartbarer Seite — aber auch mit bedenkenswerten Argumenten. Anna Gomez, die einzige Demokratin in der fünfköpfigen Kommission, nannte die Equal-Time-Offensive «nur eines von vielen Beispielen, wie diese Regierung die FCC benutzt, um gegen Inhalte vorzugehen, die ihr nicht passen» . Sie argumentierte, die Drohungen seien das eigentliche Ziel: «Die Kommission würde eine gerichtliche Überprüfung nicht überstehen, wenn sie tatsächlich gegen diese Sender vorgeht, weil das ein Verstoss gegen den Ersten Verfassungszusatz wäre» .
Differenzierter äusserte sich Gigi Sohn, ehemalige Beraterin des FCC-Vorsitzenden Tom Wheeler unter Obama. «Wenn Stephen Colbert James Talarico 20 Minuten für eine quasi-Kampagnenrede gibt, dann sollte CBS auch den anderen Kandidaten die gleiche Möglichkeit einräumen», sagte sie dem Guardian . «Theoretisch bin ich nicht gegen das, was Carr tut. Meine Sorge ist, dass es ungleich durchgesetzt wird.» Sohn wies darauf hin, dass die Equal-Time-Regel traditionell ein Beschwerdemechanismus sei — nicht ein Instrument für proaktive Ermittlungen. «Es ist nicht Aufgabe der FCC, herumzuschnüffeln, was The View vor drei Monaten gemacht hat» .
Die Frage der selektiven Durchsetzung trifft den Kern der Debatte. Konservative Kommentatoren argumentieren seit Jahren, dass Sendungen wie The View und Colberts Late Show faktisch als Wahlkampfplattformen für demokratische Kandidaten fungieren — ohne regulatorische Konsequenzen. Aus dieser Perspektive wendet Carr lediglich Regeln an, die immer galten, aber bequem ignoriert wurden, solange die politische Ausrichtung dem Establishment passte. Hätte Sean Hannity einem republikanischen Senatskandidaten 20 Minuten ununterbrochene Sendezeit auf dem Fox-Broadcast-Netzwerk gegeben, so das Argument, hätten Medienkritiker sofort FCC-Ermittlungen gefordert.
Allerdings werfen Zeitpunkt und Zielauswahl berechtigte Fragen auf. Sämtliche bisherigen Massnahmen richten sich gegen Sendungen mit liberalen Moderatoren, die demokratische Kandidaten eingeladen haben. Vergleichbare Aktionen gegen konservative Programme sind nicht bekannt.
Das Interview selbst hat unterdessen ein Millionenpublikum gefunden — nicht im Fernsehen, sondern auf YouTube, wo es fast 5,5 Millionen Aufrufe verzeichnet und damit die durchschnittliche TV-Zuschauerzahl der Late Show bei weitem übertrifft . Colbert, dessen Sendung im Mai eingestellt wird, zeigte sich am Dienstag zwar versöhnlich gegenüber CBS — er wolle «keine feindliche Beziehung zum Sender» —, liess aber durchblicken, wie überrascht er sei, «dass dieses riesige globale Unternehmen sich nicht gegen diese Einschüchterer wehrt» .
Die langfristigen Folgen reichen weit über eine Fehde zwischen einem Late-Night-Moderator und seinem Arbeitgeber hinaus. Wenn die FCC erfolgreich durchsetzt, dass Talkshows nicht von der Equal-Time-Pflicht ausgenommen sind, würde sich die politische Berichterstattung im amerikanischen Fernsehen grundlegend verändern. Sender stünden vor der Wahl: Entweder allen Kandidaten Sendezeit einräumen, wenn ein Konkurrent auftritt — oder politische Kandidaten ganz meiden. In einer Medienlandschaft, die von beiden Seiten des Bias beschuldigt wird, könnte die Wiederbelebung der Equal-Time-Regel das Broadcast-Fernsehen paradoxerweise irrelevanter für den politischen Diskurs machen und Kandidaten noch stärker in Richtung Social Media und Streamingdienste drängen, wo FCC-Regeln nicht gelten.
Vorerst hat die Affäre einen klaren Gewinner hervorgebracht. James Talarico, ein 31-jähriger Staatsabgeordneter, der vor einer Woche ausserhalb von Texas kaum bekannt war, verfügt nun über 2,5 Millionen Dollar an frischen Wahlkampfspenden und eine Namensbekanntheit, die mit Geld nicht zu kaufen ist. Ob das Ergebnis echter Zensur, geschickter Medienmanipulation oder einer Mischung aus beidem war, dürfte am Ende weniger zählen als die Tatsache, dass es funktioniert hat.
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Warum dieses Thema
Die Durchsetzungsmassnahmen der FCC gegen The View und ihr Eingreifen in die Colbert-Kontroverse stellen eine bedeutende Verschiebung in der Regulierung politischer Meinungsäusserung im amerikanischen Fernsehen dar. Die Equal-Time-Regel war für Talkshows seit Jahrzehnten faktisch ruhend; ihre Wiederbelebung unter Chairman Carr könnte grundlegend verändern, wie Sender politische Inhalte handhaben. Die Geschichte betrifft grosse institutionelle Akteure (FCC, CBS, ABC/Disney), hat enorme öffentliche Aufmerksamkeit erzeugt und birgt klare politische Implikationen für den Wahlzyklus 2026.
Quellenauswahl
Zwei Tier-1-Quellen bieten umfassende und komplementäre Berichterstattung. Deadline als Branchenblatt der Unterhaltungsindustrie liefert detaillierte Berichte über Carrs Aussagen bei der FCC-Sitzung, den CBS-Colbert-Streit und die regulatorischen Details der Equal-Time-Regel. Der Guardian bietet politischen Kontext, einschliesslich exklusiver Bestätigung des View-Verfahrens durch Carr sowie Gegenperspektiven von FCC-Kommissarin Gomez und der ehemaligen Obama-Beraterin Gigi Sohn. Gegenüberstellung bestätigt faktische Übereinstimmung bei Zeitablauf, Zitaten und Fundraising-Zahlen.
Redaktionelle Entscheidungen
Diese Geschichte bewegt sich an der Schnittstelle von Medienregulierung, politischer Strategie und Fragen der Meinungsfreiheit. Wir haben beiden Perspektiven gleiches Gewicht eingeräumt: dem konservativen Argument, dass Talkshows jahrelang als faktische Wahlkampfplattformen für Demokraten fungierten, und der liberalen Sorge vor selektiver Durchsetzung gegen regierungskritische Sendungen. Der Fundraising-Aspekt — 2,5 Millionen Dollar in 24 Stunden — ist zentral für das Verständnis, warum die Zensur-Erzählung möglicherweise strategisch aufgebaut wurde. Beide Tier-1-Quellen bestätigen die Fakten gegenseitig bei unterschiedlicher Rahmung.
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