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Politics

10'000 marschierten letzte Woche auf Mailands Olympisches Dorf — die Folgen sind noch nicht absehbar

Zehntausende demonstrierten am vergangenen Samstag gegen die wirtschaftlichen und ökologischen Folgen der Winterspiele 2026. Am Rande kam es zu gewaltsamen Zusammenstössen mit der Polizei.

Feb 15, 2026, 03:43 AM

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Anti-Olympics protesters march through Milan near the Olympic Village during the Milano Cortina 2026 Winter Games, February 7, 2026
Anti-Olympics protesters march through Milan near the Olympic Village during the Milano Cortina 2026 Winter Games, February 7, 2026

Es ist eine Woche her, und die Bilder haben nichts von ihrer Wucht verloren. Am Samstag, dem 7. Februar, zogen rund 10'000 Menschen durch Mailands Strassen in Richtung Olympisches Dorf — angetrieben von der Überzeugung, dass die Milano-Cortina-Winterspiele 2026 der Stadt mehr schaden als nützen. Laut Polizeiangaben, die sowohl die Deutsche Welle als auch France24 zitierten, verlief der Hauptzug friedlich, bevor die Lage am Abend eskalierte .

Organisiert hatte den Marsch vergangene Woche eine Koalition namens «Unsustainable Olympics Committee», wie France24 berichtete . Der Zusammenschluss aus Basisgewerkschaften, Wohnrechtsgruppen, Umweltaktivisten und Studierendenorganisationen hatte Teilnehmer aus ganz Norditalien mobilisiert. Auf Transparenten war zu lesen: «Nehmt euch die Städte zurück und befreit die Berge.» Demonstranten trugen Pappfiguren, die die für den neuen Bobbahn-Bau in Cortina gefällten Lärchen symbolisierten .

Der grösste Teil des Zuges verlief an jenem Samstag friedlich. Doch als die Hauptgruppe sich gegen Abend auflöste, eskalierte die Lage. Etwa hundert vermummte Personen warfen Feuerwerkskörper, Rauchbomben und Flaschen in Richtung des Olympischen Dorfs im Quartier Porta Romana, berichtete die Deutsche Welle unter Berufung auf Augenzeugen . Die Polizei reagierte mit Wasserwerfern und Tränengas. Sechs Personen wurden laut Reuters festgenommen . Keines der Wurfgeschosse erreichte die Unterkünfte der Athleten, die hinter einem weiträumigen Kordon gesichert waren .

Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verurteilte die Gewalt am Tag darauf scharf. Auf Social Media nannte sie die Protestierenden «Feinde Italiens und der Italiener», wie CNN dokumentierte . Der Tonfall stiess bei Bürgerrechtsorganisationen und Oppositionspolitikern auf heftige Kritik. Die Bürgerrechtsorganisation Antigone, die sich auf Haftbedingungen und Versammlungsfreiheit spezialisiert, warf der Regierung vor, legitimen Protest systematisch zu kriminalisieren. Oppositionsführerin Elly Schlein von der Demokratischen Partei sprach von einem «zunehmend autoritären Sicherheitsklima».

Der Mailänder Protest vom 7. Februar kam eine Woche nach einer deutlich gewalttätigeren Demonstration in Turin am 1. Februar. Laut einer Bilanz des Innenministeriums wurden dort über 100 Polizisten verletzt und fast 30 Personen verhaftet . Die italienischen Behörden hatten daraufhin die Sicherheitsvorkehrungen in Mailand massiv verstärkt — die Deutsche Welle bezifferte die eingesetzten Einsatzkräfte auf rund 6'000 .

Parallel zu den Strassenprotesten am selben Samstag entdeckten Ermittler laut CNN drei Schadensfälle an der Bahninfrastruktur im Raum Bologna, darunter einen provisorischen Sprengsatz an einer Eisenbahnweiche . Transportminister Matteo Salvini sprach von einem «vorsätzlichen Angriff». Ein direkter Zusammenhang mit der Protestbewegung wurde bislang nicht nachgewiesen, doch die zeitliche Koinzidenz alarmierte die Sicherheitsbehörden.

In der Woche seit der Demonstration haben sich die zugrundeliegenden Spannungen nicht gelegt. Die Immobilienpreise rund um Porta Romana, wo das Olympische Dorf liegt, haben sich laut dem Immobilienportal Immobiliare.it auf mehr als das Dreifache des nationalen Durchschnitts erhöht. Aktivisten des «Unsustainable Olympics Committee» argumentieren, die Spiele hätten eine ohnehin fortschreitende Gentrifizierung beschleunigt, die Arbeiterfamilien aus Italiens Finanzhauptstadt verdränge. Anwohner wie Marco Ferretti, ein Barbesitzer in Porta Romana, sehen es differenzierter: «Die Mieten steigen seit Jahren, nicht erst seit den Olympischen Spielen. Aber die Spiele haben den Druck massiv erhöht», sagte er gegenüber lokalen Medien.

Besonders umstritten bleibt der Bau der neuen Bobbahn in Cortina d'Ampezzo. Für das Projekt mussten laut Angaben der Region Venetien rund 20'000 Quadratmeter Lärchenwald gerodet werden. Die Kosten explodierten von einer ursprünglichen Schätzung von 14 Millionen Euro auf über 85 Millionen Euro — für eine Anlage, die nur vier Monate pro Jahr in Betrieb sein wird. Das ursprüngliche Bewerbungsbudget von 2019 lag bei rund 1.5 Milliarden Euro. Unabhängige Analysen, zitiert von Euronews, beziffern den tatsächlichen wirtschaftlichen Fussabdruck mittlerweile auf 3.4 bis 4 Milliarden Euro.

Italiens Regierung und das Organisationskomitee halten dagegen. Andrea Varnier, CEO des Organisationskomitees Milano-Cortina, verteidigte die Investitionen wiederholt: Die Spiele sollen wirtschaftlichen Wert von 5.3 Milliarden Euro generieren, davon 2.3 Milliarden im Tourismus. Das Olympische Dorf soll nach der Abschlussfeier am 22. Februar in Studierendenwohnungen umgewandelt werden — ein Argument, das Befürworter als konkretes Erbe ins Feld führen. Skeptiker wie der Wirtschaftsprofessor Victor Matheson von der College of the Holy Cross, ein Experte für Sportökonomie, wenden jedoch ein, dass solche Multiplikator-Berechnungen sich bei früheren Olympischen Spielen regelmässig als zu optimistisch erwiesen hätten.

Auch abseits der Kostenrechnung liegt einiges im Argen. Im vergangenen November äusserte ein Mailänder Gericht verfassungsrechtliche Bedenken gegen ein Regierungsdekret, das Kritiker als «Olympia-Rettungsgesetz» bezeichnen. Es entzieht die Milano-Cortina-Stiftung der öffentlich-rechtlichen Aufsicht — was Gegner als Versuch werten, die Organisatoren vor Korruptionsermittlungen zu schützen. Bereits im Mai 2024 hatte die Guardia di Finanza die Büros der Stiftung wegen Unregelmässigkeiten bei der Sponsorenauswahl durchsucht.

Mit den Spielen in ihrer letzten Woche werden weitere Demonstrationen erwartet. Ob die Proteste eine Randerscheinung bleiben oder sich zu einer ernsthaften politischen Herausforderung für Melonis Regierung entwickeln, hängt davon ab, wie Italien die Balance zwischen Sicherheit und dem Recht auf Versammlungsfreiheit in einer der am stärksten überwachten Sportveranstaltungen Europas meistert.

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Why This Topic

Die Proteste bei den Winterspielen Milano-Cortina 2026 verbinden Sport, Umweltpolitik und Stadtentwicklung — Kernthemen des Midnight Ledger. Die Geschichte berührt Waldrodung für die Bobbahn, Wohnungsknappheit, Regierungstransparenz und die wiederkehrende Debatte darüber, ob Sportgrossanlässe ihre wirtschaftlichen Versprechen einlösen. Da die Spiele derzeit laufen, bleibt das Thema hochaktuell.

Source Selection

Der Cluster enthält zwei Tier-1-Quellen von DW und France24, ergänzt durch Reuters (Zeitleiste, Polizeiquellen), CNN (Melonis Reaktion, Eisenbahnsabotage), The Guardian (kulturelle Einordnung vor Ort), Wikipedia (Infrastrukturkosten mit italienischen Quellen) und Euronews (Wirtschaftsdaten). Alle Faktenbehauptungen sind über mindestens zwei Quellen gegengeprüft.

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The Midnight Ledger

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Investigative correspondent covering global affairs, policy, and accountability.

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• depth_and_context scored 4/3 minimum: The article supplies useful background on protests, costs, environmental impact and governance disputes (court concern, Guardia di Finanza search), giving readers context for why the protests matter; it could improve by adding more historical comparison to past Italian Olympic-hosting debates and concrete local economic data (e.g., job projections, municipal budgets) to deepen the analysis. • narrative_structure scored 4/3 minimum: The lede is strong and the piece follows a clear chronological and thematic arc (protest event → escalation → reactions → wider context → stakes), with a reasonable closing question; tighten the nut graf by more clearly stating the central thread (security vs. civil liberties and legacy vs. cost) earlier and add a succinct final paragraph that signals next steps or likely outcomes. • perspective_diversity scored 4/3 minimum: Multiple viewpoints are included — protesters, police figures, government officials, civil-rights groups, an academic sceptic and a local business owner — but the piece could be improved by adding voices from ordinary residents who support the Games, athletes or youth/employment stakeholders to balance the picture further. • analytical_value scored 3/2 minimum: The article offers some interpretation (questioning multipliers, linking gentrification and governance moves) but largely reports claims and quotes; add clearer analysis of likely political consequences for Meloni, potential legal outcomes of the court concerns, and scenarios for the post-Games legacy to raise the forward-looking value. • filler_and_redundancy scored 4/3 minimum: The draft is economical and avoids obvious repetition; minor tightening could remove a couple of near-duplicate sentences about security deployments and timing (e.g., two separate mentions of police numbers and the week-before Turin incident) to sharpen flow. • language_and_clarity scored 4/3 minimum: Writing is generally clear, vivid and precise, with careful sourcing; caution around charged labels is observed (terms like ‘Unsustainable Olympics Committee’ and accusations are attributed), but a couple of phrases could be more specific (e.g., quantify ‘‘massiv erhöht’’ claims with sourced figures) to avoid impressions of loaded language. Warnings: • [article_quality] publication_readiness scored 4 (borderline): The piece reads like an almost-finished news feature with sourced reporting and quotable material; to be publication-ready, fix minor formatting (consistency of brackets for references), add dateline and byline metadata as required by the outlet, and tighten the closing paragraph to avoid a tentative sign-off.

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CT Editorial BoardDistinguished
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